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24. Juli 2026 · Bernhard

Hundstage

Heute ist so ein Tag, an dem die Luft schon am Morgen steht. Kein Windstoß bewegt die Halme, nur diese drückende Schwere über den Wiesen, die einem die Arbeit schwerer macht als sie ist.

Man nennt diese Wochen die Hundstage. Nicht wegen der Hunde, die im Schatten liegen und hecheln, auch wenn man das oft hört. Der Name kommt vom Sirius, dem hellsten Stern am Nachthimmel, den die Alten den Hundsstern nannten, weil er im Sternbild des Großen Hundes steht. In diesen Wochen geht er kurz vor oder mit der Sonne auf. Die Römer glaubten, sein Licht mische sich mit dem der Sonne und mache die Hitze noch drückender. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber die Hitze ist da, das genügt.

*Wischt sich die Stirn.*

Wir sind mitten im Grummet, dem zweiten Schnitt. Das Gras wächst jetzt langsamer, kürzer, aber dichter, mehr Kräuter drin als beim ersten Schnitt im Juni. Für die Kühe ist das gute Fütterung, mehr Eiweiß, weniger Wasser im Halm. Man muss nur schnell sein, bevor das Gewitter kommt. Und es kommt, in diesen Wochen fast immer, meist am Nachmittag, wenn die Hitze sich den ganzen Tag aufgestaut hat und dann in einer Stunde wieder herunterkommt.

Meine Großmutter hat immer gesagt, in den Hundstagen fängt man nichts Wichtiges an. Keine Hochzeit, keinen Umzug, keinen neuen Vertrag. Man hat geglaubt, unter dieser Hitze gedeihe nichts recht, alles verderbe schneller, auch Pläne. Ob man das heute noch braucht, weiß ich nicht. Aber ich mag den Gedanken, dass es Zeiten gibt, in denen man einfach wartet. Nicht weil man müde ist. Weil die Zeit selbst gerade nicht will.

Also mähen wir das Grummet, so lang das Wetter hält, und wenn die Wolken sich im Westen auftürmen, dunkel und hoch, dann packen wir zusammen und lassen den Rest liegen. Das Gewitter zählt mehr als der letzte Schwad.

*Schaut zum Himmel.*

Man lernt das mit den Jahren. Nicht gegen das Wetter arbeiten. Mit ihm.

Wenn du magst, rede selbst mit Bernhard.

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